Die gynäkologische Empfehlung lautete, die Pille zu nehmen, um den Östrogenspiegel zu stabilisieren und das Risiko für den Knochen zu senken. Das ist nachvollziehbar, und diese Entscheidung gehört in ärztliche Hand, nicht in unsere als Coaches.
Was wir beitragen können, ist eine Einordnung, die in der Sprechstunde oft zu kurz kommt. Die Leitlinie der Endocrine Society zur funktionellen hypothalamischen Amenorrhoe (Gordon et al. (2017)) empfiehlt orale Kontrazeptiva ausdrücklich nicht zu dem alleinigen Zweck, die Regelblutung zurückzuholen oder die Knochendichte zu verbessern. Dafür gibt es zwei gute Gründe. Erstens verdeckt die Pille die Rückkehr der eigenen Blutung und nimmt dir damit genau das Signal, an dem du erkennen würdest, ob es du wieder einen regelmäßigen, gesunden Zyklus hast. Zweitens verbessert sie die Knochendichte nicht, solange die Energielücke bestehen bleibt.
Dazu kommt ein Detail, das den Unterschied erklärt. Das Östrogen aus der Pille läuft zuerst durch die Leber und senkt dabei IGF-1, einen Wachstumsfaktor, den der Knochen für den Aufbau braucht. Östrogen über die Haut, also als Pflaster oder Gel, umgeht diesen Weg. Genau deshalb nennt die Leitlinie transdermales Östradiol mit zyklischem Progesteron als Option für den Fall, dass die Blutung trotz ausreichend angepasster Ernährung und Belastung ausbleibt. Das ist keine Empfehlung von uns, sondern eine Frage, die es wert ist, beim nächsten gynäkologischen Termin gestellt zu werden.
Ein wichtiger Zusatz für alle mit Endometriose: Dort wird die Pille häufig bewusst eingesetzt, um den Zyklus zu unterdrücken und Beschwerden zu kontrollieren. In diesem Fall ist das fehlende hormonelle Auf und Ab kein Nebeneffekt, sondern das Behandlungsziel. Setz nach dem Lesen dieses Artikels also bitte nichts eigenmächtig ab.