Der wichtigste Abschnitt aus ernährungsphysiologischer Sicht ist das Radfahren.
Hier hast du die höchste Aufnahmefähigkeit – und gleichzeitig den größten Einfluss auf den späteren Marathon.
Eine sinnvolle Zielgröße für die Kohlenhydratzufuhr liegt im Bereich von etwa 70 bis 90 g pro Stunde. Voraussetzung ist allerdings, dass diese Mengen im Training aufgebaut wurden. Ohne entsprechende Anpassung des Verdauungssystems wird das im Wettkampf nicht funktionieren.
Entscheidend ist dabei weniger die absolute Menge als die Konstanz. In der Praxis bedeutet das meist, alle 15 bis 20 Minuten kleinere Mengen zuzuführen. Wer beispielsweise pro Stunde auf etwa 80g Kohlenhydrate kommen will, kann das über zwei bis drei Gels und ein kohlenhydrathaltiges Getränk abbilden. Entscheidend ist nicht die genaue Kombination, sondern dass die Zufuhr regelmäßig erfolgt und nicht erst dann, wenn bereits ein Defizit entstanden ist.
Wer versucht, große Mengen auf einmal aufzunehmen, produziert in der Regel eher Probleme als Nutzen. Besser ist ein gleichmäßiger Fluss, der möglichst früh beginnt – idealerweise schon innerhalb der ersten 20 Minuten auf dem Rad.
Bei der Flüssigkeit bewegen sich die meisten Athletinnen und Athleten im Bereich von etwa 500 bis 900 ml pro Stunde. Bei Hitze oder hoher Schweißrate kann das auch in Richtung eines Liters gehen. Alles darüber hinaus ist häufig nicht mehr sinnvoll aufzunehmen und erhöht das Risiko für Magenprobleme. Ein guter Ausgangspunkt ist, sich im Training an der eigenen Schweißrate zu orientieren. Wer nach einer Stunde Belastung ein Kilogramm Körpergewicht verliert, hat ungefähr einen Liter Flüssigkeit verloren. Ziel im Wettkampf ist nicht, diesen Verlust vollständig auszugleichen, sondern ihn kontrolliert zu begrenzen. Zu hohe Flüssigkeitszufuhr bei gleichzeitig niedriger Natriumaufnahme ist einer der häufigsten Gründe für Magenprobleme und Leistungseinbrüche im Ironman.
Der Natriumbedarf wird oft unterschätzt. Als grobe Orientierung haben sich etwa 500 bis 800 mg pro Stunde bewährt. Allerdings ist die Streuung hier enorm. Wer stark salzhaltig schwitzt, kann deutlich darüber liegen. Weißränder auf Kleidung oder häufige Krampfprobleme sind Hinweise darauf, dass die Zufuhr möglicherweise zu niedrig ist.
In der Praxis zeigt sich das häufig sehr deutlich: Während eine Athletin mit 500 mg pro Stunde stabil bleibt, benötigt ein anderer Athlet unter gleichen Bedingungen 1.000 mg oder mehr. Wer hier zu niedrig liegt, bemerkt das oft nicht sofort, sondern erst im späteren Rennverlauf über Leistungsabfall oder muskuläre Probleme.
Alle genannten Werte sind bewusst als Orientierung zu verstehen. Leichtere Athletinnen und Athleten bewegen sich häufig eher am unteren Ende der Spannen, während schwerere oder sehr gut trainierte Athleten höhere Mengen tolerieren können. Entscheidend ist nicht der Zielwert, sondern was unter Wettkampfbedingungen stabil funktioniert.